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Bandscheibenvorfall / Bandscheibenvorwölbung

Was ist ein Bandscheibenvorfall / Bandscheibenvorwölbung?

Die Wirbelsäule bildet das zentrale Stützsystem des Körpers. Sie wird bei fast allen Bewegungen des Körpers benötigt und schützt außerdem das Rückenmark.

Die Wirbelsäule besteht aus:

  • 7 Halswirbeln
  • 12 Brustwirbeln
  • 5 Lendenwirbeln
  • 1 Kreuzbein
  • 1 Steißbein


Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben. Sie bestehen aus einem weichen Gallertkern (Nukleus pulposus) und einem äußeren Faserknorpelring. Die Bandscheiben wirken wie Puffer zwischen den Wirbeln.
Unter einem Bandscheibenvorfall versteht man die Verlagerung der Bandscheibe nach hinten oder hinten seitlich.
Der Faserring der Bandscheibe reißt hierbei und so können Anteile des weichen Gallertkernes austreten. Wölbt der Gallertkern den geschwächten Faserring nur nach außen vor, spricht man von einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusio).

Wo kann ein Bandscheibenvorfall auftreten?

Ein Bandscheibenvorfall oder eine -vorwölbung kann in der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule auftreten. Am häufigsten treten Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule auf.

Welche Ursachen hat ein Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenschaden ist die Folge degenerativer Strukturveränderungen im Bereich des Faserringes durch ungünstige Körperhaltung, Übergewicht, falsches Heben und Tragen und nicht zuletzt durch anlagebedingte Bindegewebsschwäche.
Nach dem 20.Lebensjahr lässt die Fähigkeit des Gallertkernes, Wasser zu speichern, kontinuierlich nach. Dadurch wird die Bandscheibe spröde und kann die Beanspruchung nicht mehr standhalten.

Welche Symptome treten bei einem Bandscheibenvorfall auf?

Drückt der Bandscheibenvorfall gegen eine Nervenwurzel tritt neben dem Rückenschmerzen auch ein Schmerz im Arm oder Bein auf, je nachdem ob der Bandscheibenvorfall in der Hals- oder Lendenwirbelsäule liegt. Es können zusätzlich Gefühlsstörungen (Ameisenlaufen, Kribbeln, Taubheit) und ggf. Lähmungen oder Kraftabschwächungen auftreten. Vom Rücken bis ins Bein ziehende Schmerzen werden als Lumboischialgien bezeichnet. Ischialgie bedeutet Schmerzen durch Reizung des Ischiasnerves.
Drückt der Bandscheibenvorfall gegen das Rückenmark können zusätzlich Blasen- und Enddarmstörungen sowie Taubheit im Anogenitalbereich auftreten. In diesen Fällen muss notfallmäßig ein Arzt konsultiert werden.

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall wird nach der Anamnese bei der klinischen Untersuchung u.a. die Sensivität, die Motorik und der Reflexstatus überprüft. Sehr häufig kann eine Diagnose dann schon recht gut gestellt werden. Dennoch ist eine weiterführende Diagnostik wie Röntgen, Computertomographie, Magnet-Resonanz-Tomographie unerlässlich.

 

 

 

 

 

Wie wird ein Bandscheibenvorfall behandelt?

Eine nicht operative (konservative) Therapie kann dann durchgeführt werden, wenn keine gravierenden Nervenausfälle vorliegen. Die konservative Therapie umfasst die Infiltration und Injektion, die orale Medikation, physikalische Therapiemaßnahmen und die Krankengymnastik.
Bei anhaltenden starken Schmerzen oder zunehmenden Lähmungen kann ein operativer Eingriff notwendig werden.
Prinzipiell besteht immer die Möglichkeit, dass sich eine durch Bandscheibengewebe hervorgerufene Lähmung oder Taubheit / Schmerz durch konservative Therapie bessert bzw. verschwindet. Dieses ist der Tatsache zu verdanken, dass der wasserhaltige aufgeblähte Bandscheibenvorfall mit der Zeit eintrocknet, schrumpft und so nicht mehr auf den Nerv drückt.
 Hier setzt die Injektions- und Infiltrationstherapie an, welche neben einer Schmerzreduktion, durch Wasserentzug im Bandscheibengewebe, eine Besserung der Symptomatik bewirkt.
 Je nach Lage des Bandscheibenvorfalles / der -vorwölbung und klinischer Symptomatik können alternativ auch Laserverfahren, Chemonukleolyse, intradiskale Thermotherapie oder eine periradikuläre Therapie durchgeführt werden.
Durch Laser- oder intradiskale elektrothermale Therapie wird der weiche Bandscheibenkern verkocht. Durch die Schrumpfung wird ein vorhandener Bandscheibenvorfall vom Nerv zurückgezogen.
Bei der Chemonukleolyse passiert vom Prinzip her ähnliches, nur benutzt man hier ein Medikament, welches man in die Bandscheibe appliziert. Die Indikation zu diesem Verfahren ist sehr streng, nur bei einzelnen Patienten mit einem Bandscheibenvorfall / einer -vorwölbung können diese Verfahren angewendet werden, da sie viele Kontraindikationen besitzen.

Führen die genannten Maßnahmen nicht zum Erfolg, nehmen Nervenausfälle in Form von Sensibilitätsstörungen zu, muss das verlagerte Bandscheibengewebe operativ entfernt werden. Dies wird in der Regel mikrochirurgisch (minimal invasiv) unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskopes durchgeführt.

Prognose und Komplikationen

Die Risiken der Operation, wie auch bei der Lasernukleotomie, Chemonukleolyse etc., bestehen in einer Schädigung von Nerven und Gefäßen, einer Entzündung im Operationsgebiet, der Entwicklung einer Instabilität sowie Narbenbildung im operierten Areal. Dieses kann dazu führen, dass nach der Operation Beschwerden verbleiben. Deshalb sollte die Operation nur dann durchgeführt werden, wenn eine dringende Indikation vorliegt und der zu erwartende Nutzen die Risiken deutlich übersteigt.